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Der Abschied vom Fleisch.

Mit einem guten Freund von mir habe ich schon so manches Gespräch über meinen veganen Lebenswandel geführt. Ohne das ich ihn bekehren wollte hat er sich jetzt ein veganes Kochbuch gekauft. Ich will damit sagen, dass er der ganzen Sache im Vergleich zu vielen anderen Leuten sehr aufgeschlossen gegenüber steht.

Obwohl er ständig in den Supermarkt ging und abgepackte Teile von Tieren kaufte, bezeichnete er mich eines Tages als Mörder. Hierzu muss ich von der Zeit erzählen als ich noch gelegentlich Fleisch aß und nur auf Milchprodukte verzichtete.

In dieser Zeit hatten wir einen Wachtelhahn der alle Hühner regelrecht tyrannisierte. Es spielten sich halsbrecherische Jagdszenen im Stall ab wenn ein Huhn keine Lust hatte sich besteigen zu lassen. Das ganze gipfelte schließlich darin, dass wir immer mehr Verletzungen an den Hühnern feststellten die sie sich bei der Flucht zugezogen hatten. Eines Morgens kam Susanne vom Füttern zurück und sagte mit ernstem Gesicht: „Der Hahn muss weg“. Susannes Eltern hatten immer schon Hühner. Das Schlachten und verwerten der Tiere kannte sie. Mir war es fremd. Jedoch verließ ich mich auf ihr Urteil.

„Wer Fleisch essen will sollte die Tiere auch selber töten können“. So habe ich es damals für mich begründet. Wenn man nicht fähig ist das Leben eines Tieres zu beenden das man in der Hand hält und einen anschaut, wie rechtfertigt man für sich selber den Genuss von gekauftem Fleisch? Wie kann man bei einem normalen Tischgespräch sagen, dass man einem Tier niemals etwas antun könnte aber gleichzeitig versucht man mit dem Messer möglichst viel Soße über das Stück Schweinefilet zu schieben bevor man noch zwei bis drei Erbsen auf die Gabel schubst und das Ganze genussvoll im Mund verschwinden lässt? Die Antwort ist ganz einfach. Man sieht weg. Man ignoriert ganz einfache Tatsachen. Ich weiß dass, denn ich habe das 33 Jahre lang gemacht. Und es ist ganz einfach. Man bekommt jede Unterstützung die man braucht. Gehen sie mal zu ein paar Freunden oder Kollegen und sagen sie, dass sie ab jetzt mehr Fleisch essen wollen. Sofort wird das jemand für eine tolle Idee halten. Weniger Kohlenhydrate mehr Eiweiß. Eine super Diät. Aber sagen sie ihren Freunden mal das sie ab jetzt auf Fleisch verzichten.

Noch am gleichen Tag bereiteten wir alles vor. Ein Hackklotz, ein scharfes Beil und ein Eimer zum ausbluten. Wenn dann wollten wir es richtig machen. Das Tier sollte auf keinen Fall mehr leiden als notwendig. Und auf keinen Fall mehr als wenn es industriell geschlachtet würde.

Susanne hat den Hahn also gefangen. Wahrscheinlich interpretiert man in das Verhalten eines Tieres zu viel hinein aber ich glaube er wusste was kommt. Er versuchte sich freizustrampeln. Sein Blick ging schreckhaft hin und her. Zwischendrin fixierte er mich immer wieder. Schließlich wirbelte Susanne ihn mehrfach durch die Luft bis er benommen war. Möglichst schnell betäubte ich ihn zusätzlich mit einem glücklicherweise sehr gezielten Schlag auf den Kopf. Sofort wurde er auf den Hackklotz gelegt wo ich ihm mit einem Schlag den Kopf abtrennte. Vier bis fünf Sekunden  zuckte der bereits tote Körper noch bevor wir die wenigen Tropfen Blut in einen Eimer mit Späne tropfen ließen. Wir beide hatten leicht feuchte Augen. Wir redeten möglichst sachlich über die Sache um nicht zu heulen. Nachdem ich alle Blutspuren beseitigt hatte holten wir einen Eimer heißes Wasser und ich rupfte das Tier um es anschließend aus zunehmen und einzufrieren. Verschwendet werden sollte nichts.

Ja ich habe meinen Test bestanden. Ich kann ein Tier töten um dessen Fleisch zu essen. Aber ich will es nicht mehr.

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Ein Kommentar zu „Der Abschied vom Fleisch.

  1. Glückwunsch, zu dem bestandenen Test. Du hast recht, “Wer Fleisch essen will sollte die Tiere auch selber töten können”. All die großen Tierfreunde, die aufschreien, wenn sie hören, ich esse nur das Fleisch von den Tieren die bei uns aufwachsen, essen lieber Fleisch aus Massentierhaltung, das heisst von armen gequälten Tieren. Dann lieber gar kein Fleisch 🙂

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